Caspar Helth

Caspar Helth, ungarisch Heltai Gáspár, (* um 1520 in Heltau ?; † 1574 in Klausenburg) war ein evangelischer Theologe, Schriftsteller, Verleger und Reformator.
Caspar Helth stammte vermutlich aus der siebenbürgisch-sächsischen Stadt Heltau in Siebenbürgen. Am 17. Februar 1543 immatrikulierte er sich an der Universität Wittenberg, ging 1544 als Pfarrer nach Klausenburg, wo er bis 1557 blieb. Während dieser Zeit wirkte er als lutherischer Reformator, folgte aber 1559 Franz Davidis auf dem Weg des Calvinismus.
Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich als Buchdrucker. Er wirkte bei der ungarischen Bibelübersetzung mit, gab 1550 Martin Luthers kleinen Katechismus heraus und veröffentlichte selbst katechetische und erbauliche Schriften. Diese erscheinen vorrangig in ungarischer Sprache, zum Teil aber auch auf Deutsch.
Als Verleger vertrieb er vorrangig Werke theologischen Inhalts und hat maßgeblich an der Entwicklung der ungarischen Kunstprosa mitgewirkt. In seinen Werken lässt sich eine zynische Kritik an der Gesellschaft erkennen, wobei er selbstbewusst die zunehmende Macht des Bürgertums anprangert.

Publius Cornelius Lentulus (Suffektkonsul 162 v. Chr.)

Publius Cornelius Lentulus war ein römischer Senator, Politiker und Militär des 2. Jahrhunderts v. Chr.
Gnaeus Cornelius Lentulus gehörte zum Zweig der Lentuli der Familie der Cornelier. Er trat erstmals 172 v. Chr. als römischer Gesandter in Griechenland in Erscheinung. Im folgenden Jahr beteiligte er sich als Militärtribun an den Kämpfen gegen den makedonischen König Perseus in Böotien. 169 v. Chr. wurde er mit Publius Cornelius Nasica Kurulischer Ädil. In diesem Amt veranstaltete er erstmals Spiele mit afrikanischen Raubtieren in Rom. Im folgenden Jahr war er erneut Mitglied einer Dreimanngesandtschaft in Griechenland und führte in dieser Position die entscheidenden Gespräche mit Perseus nach der Schlacht von Pydna.
165 v. Chr. wurde Lentulus praetor urbanus. In dieser Funktion fiel ihm die Aufgabe zu, unrechtmäßig besetztes Staatsland (den ager Campanus) gegen eine Entschädigung wieder einzuziehen und auch weiteres Land von Privateigentümern für den Staat anzukaufen. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er drei Jahre später, als er 162 v. Chr. als Nachfolger von Publius Cornelius Scipio Nasica Corculum und an der Seite von Gnaeus Domitius Ahenobarbus den Suffektkonsulat bekleidete. 156 v. Chr. war Lentulus erneut Mitglied einer Gesandtschaft in den östlichen Mittelmeerraum.
Ein Großteil der modernen Forschung identifiziert den Suffektkonsul 162 v. Chr. auch mit einem gleichnamigen Senator, der etwa 125 v. Chr. princeps senatus wurde Er klagte 124 v. Chr. Manius Aquillius, den früheren Statthalter der Provinz Asia, wegen Bestechung an. 121 v. Chr. trat Lentulus auf der Seite der Optimaten bei den Kämpfen gegen Gaius Sempronius Gracchus in Erscheinung und wurde dabei verwundet. Laut Valerius Maximus zog er sich anschließend in ein freiwilliges Exil nach Sizilien zurück und starb dort. Jüngst wurde die These vertreten, dass dieser Lentulus ein gleichnamiger Sohn des Suffektkonsuls 162 v. Chr. war. Er ist auch als Statthalter von Makedonien im Jahr 128 v. Chr. belegt und könnte Suffektkonsul für Marcus Plautius Hypsaeus im Jahr 125 v. Chr. gewesen sein.
Lentulus gilt als einer der markantesten Vertreter der römischen Nobilität des 2. vorchristlichen Jahrhunderts.

Konstantin Michailowitsch Simonow

Konstantin (Kirill) Michailowitsch Simonow (russisch Константин (Кири́лл) Михайлович Симонов, wiss. Transliteration Konstantin Michajlovič Simonov; * 15. Novemberjul./ 28. November 1915greg. in Petrograd; † 28. August 1979 in Moskau), war ein sowjetischer Schriftsteller, Lyriker und Kriegsberichterstatter.

Er ist der Sohn des zaristischen Generalmajors Michail Simonow und seiner Frau Alexandra, Tochter aus dem fürstlichen Hause der Obolenski und Smolny-Absolventin. Nachdem sich die Eltern während der Revolutionszeit getrennt hatten, wuchs Simonow bei seiner Mutter und seinem Stiefvater, dem der Trotzki-Armee angehörigen ehemaligen zaristischen Oberst Iwanitschew, auf. Dieser verschwieg die adlige Herkunft und gab Simonow als Proletarier aus. In Saratow besuchte er als Komsomolze die Betriebsschule und absolvierte die Lehre eines Drehers. 1931 zog die Familie nach Moskau um. Ab 1934 besuchte Simonow vier Jahre das Moskauer Literaturinstitut. In den Zeitschriften „Junge Garde“ und „Oktober“ erschienen erste Gedichte. 1939 wurde Simonow als Kriegsberichterstatter des Grenzkonflikts mit Japan in den Fernen Osten geschickt. Zu diesem Zeitpunkt änderte er auch seinen Vornamen von Kirill in Konstantin – angeblich weil er aufgrund eines Sprachfehlers Schwierigkeiten mit den Buchstaben „r“ und „l“ hatte. 1940 und 1941 entstanden zwei erfolgreiche Theaterstücke. Simonow absolvierte einen Kurs als Berichterstatter an der Lenin-Akademie
Im Verlauf des Krieges stieg Simonow als Mitglied der Propagandaeinheiten der Roten Armee bis zum Rang eines Obersts auf. Er war einer der bekanntesten und meistgelesenen Kriegsberichterstatter und bereiste alle Fronten Osteuropas bis zur Schlacht um Berlin. Seine Berichte und Schriften erschienen meist in den Zeitungen Roter Stern und Prawda. Sein berühmtestes Kriegsgedicht, „Warte auf mich“ (russisch Жди меня), war seiner späteren Frau Walentina Serowa gewidmet, die er 1943 heiratete.
Nach dem Krieg unternahm Simonow verschiedene Reisen, unter anderem 1946 zusammen mit Ilja Grigorjewitsch Ehrenburg als Zeitungskorrespondent in die USA. Er arbeitete als Chefredakteur der Zeitungen Nowy Mir (1946 bis 1950 sowie 1953 bis 1958) und Literaturnaja Gaseta (1950 bis 1953). Seine Entlassung bei Literaturnaja Gaseta erfolgte wegen eines Lobgedichtes nach Stalins Tod auf Betreiben von Chruschtschow Während der Tauwetter-Ära verlor er seine Ämter im Schriftstellerverband der UdSSR, dem Zentralkomitee der KPdSU und dem Obersten Sowjet. 1957 erfolgte die Scheidung von Walentina Serowa. Simonow heiratete später eine Schriftstellerwitwe. Als Korrespondent der Prawda lebte er von 1958 bis 1960 in Taschkent. Von 1967 bis zu seinem Tod war er erneut Sekretär des Schriftstellerverbands.
Der Hauptteil von Simonows Werk handelt vom Krieg. Neben seinen Kriegsberichten entstanden eine Vielzahl von Romanen und Theaterstücken, die oftmals verfilmt wurden. Daneben besorgte er eine Biografie Majakowskis und viele Übersetzungen westlicher Autoren wie Hemingway oder Arthur Miller.
Er ist der Vater des russischen Politikers Alexei Simonow.
Nach dem Schriftsteller sind unter anderem das Flusskreuzfahrtschiff Konstantin Simonov und der Asteroid (2426) Simonov benannt.
Bücher
Hörspiele
Literarische Vorlage
Drehbuch

Wem gehört die Stadt – Bürger in Bewegung

Wem gehört die Stadt – Bürger in Bewegung ist ein Dokumentarfilm über die Bürgerbeteiligungsprozesse auf der Helios-Brache in Köln-Ehrenfeld. Er zeichnet die Konflikte und Debatten um die Neubebauung des Grundstücks nach und lässt neben dem Investor, Paul Bauwens-Adenauer, dem Bezirksbürgermeister Josef Wirges sowie der Stadtverwaltung insbesondere Anwohner und Vertreter der Bürgerinitiative BI Helios zu Wort kommen. Auch der Kölsch-Rocker Peter Brings hat einen Gastauftritt.

Ausgehend von den ursprünglichen Plänen der Errichtung einer Shopping-Mall auf dem Heliosgelände in Köln-Ehrenfeld zeigt der Film die Formierung einer Protestbewegung auf, die alternative Vorschläge zur Nutzung des Geländes, als Park, zum Wohnen oder für kreative und kulturelle Nutzungen, entwickelt. Im Rahmen einer Bürgerbeteiligung werden der ursprüngliche Investoren-Planung sowie die neu eingebrachten Vorschläge der Bürger diskutiert. Als die Stadt schließlich die Errichtung einer Inklusions-Schule auf dem Gelände vorschlägt, sind alle Akteure überrascht. Die endgültige Entscheidung für das Gelände wird im Film offen gelassen.
Der Film wurde von der Film- und Medienstiftung NRW gefördert und lief 2014 auf der Duisburger Filmwoche und dem Festival International de Programmes Audiovisuels in Biarritz (in französischer Übersetzung). Der Film startet am 19. Februar 2015 deutschlandweit in den Kinos.
„Regisseurin Anna Ditges entfaltet ein lebendiges Bild des bürgerlichen Engagements, lässt ebenso die Investoren und die Administrative zu Wort kommen und zeigt die Entwicklung des Konfliktes, der beispielhaft für viele jüngeren Bestrebungen von Bürgerinitiativen auf Mitbestimmung ist.“
„Lang anhaltender Beifall und teils überschwängliche Kommentare der Zuschauer ließen die Regisseurin strahlen. Sie zeichnet auch verantwortlich für Kamera und Drehbuch. Die Anstrengungen der Bürger seien wunderbar wiedergegeben worden, urteilten viele Zuschauer.“
„„Mit meinen Filmen möchte ich Menschen erreichen, berühren und bewegen“, sagt die gebürtige Rheinländerin. Das ist ihr mit dieser anregenden, exemplarischen Langzeitdokumentation auf jeden Fall bestens gelungen.“

Bleiswijk

Vorlage:Infobox Ort in den Niederlanden/Wartung/CBS-Code fehlt
Bleiswijk ( anhören?/i) ist ein Dorf und eine ehemalige Gemeinde in den Niederlanden, Provinz Südholland. Am 1. Januar 2007 wurde Bleiswijk mit den Gemeinden Bergschenhoek und Berkel en Rodenrijs zur neuen Gemeinde Lansingerland zusammengeschlossen.

Bleiswijk liegt 5 km östlich von Zoetermeer und 12 km westlich von Gouda an der Autobahn A12 (Utrecht – Den Haag). Auch Rotterdam ist nicht weit; von Bleiswijk aus führt eine schmale, 12 km lange Straße nach Süden zu dieser Stadt.
In Bleiswijk befinden sich zwei sehr große Versteigerungsunternehmen; “The Greenery” für Gemüse, und FloraHolland für Blumen, Bäume (u.a. aus Boskoop) und Gartenpflanzen. Der kalkhaltige Boden Bleiswijks ist fruchtbar. Darum hat das Dorf selbst auch mehrere Gärtnereien mit großen Gewächshäusern.
Bleiswijk besteht vermutlich seit dem 12. Jahrhundert. Eine Beschreibung aus dem Jahr 1672 meldet über Bleiswijk, dass es eine eigene Gerichtsbarkeit einschließlich Blutgerichtsbarkeit hatte. Das bedeutet, dass Bleiswijk damals ein ansehnliches Dorf war. Wie in anderen Orte in der Region Schieland wurde aus den Mooren Torf gewonnen, wodurch allmählich ein See entstand. Dieser wurde 1771–72 trockengelegt. Davon zeugen noch eine Mühle und eine Schleuse. Seit 1911 wird der Wasserstand im Polder durch elektrische Pumpen reguliert.
Dreieich-Götzenhain (Deutschland, Bundesland: Hessen)

Joseph Merrick

Joseph Carey Merrick (* 5. August 1862 in Leicester; † 11. April 1890 in London), auch John Merrick genannt, wurde im Viktorianischen Zeitalter als Elefantenmensch bekannt.
Merrick litt unter schweren Deformationen seines Körpers, die seine Gestalt und sein Gesicht völlig entstellten. Er galt im viktorianischen Zeitalter als schlimmstes Beispiel für die krankhafte Deformierung des menschlichen Gesichts.

Merricks Missbildungen waren bei seiner Geburt nicht erkennbar, sondern begannen sich ab seinem 5. Lebensjahr zu entwickeln. Zunächst besuchte er eine normale Schule. Als seine Mutter Mary Jane Merrick am 19. Mai 1873 an einer Lungenentzündung starb, hinterließ sie neben Joseph seine beiden jüngeren Geschwister William Arthur und Marion Eliza. Sein Vater wechselte den Wohnort und heiratete bald darauf seine Hauswirtin, die eigene Kinder mit in die Ehe brachte und für Joseph wenig Sympathie hegte. Sie nötigte ihren Ehemann dazu, Joseph aus der familiären Umgebung zu verstoßen. Mit Hilfe seines Onkels Charles Merrick fand Joseph zunächst Arbeit bei Messrs. Freeman’s Cigar Manufacturers, musste diese aber bald wieder aufgeben, da seine rechte Hand zu schwer und unförmig für die Herstellung von Zigarren geworden war. Nach einigen wenig ertragreichen Versuchen als Straßenhändler begab sich Merrick als „Monster“ unter Beteiligung von Tom Norman auf Jahrmärkte.
Im November 1886 befand sich Merrick in London, wo er die Aufmerksamkeit von Dr. Frederick Treves erregte, der ihn untersuchte und hierüber einen Bericht verfasste, der später im British Medical Journal veröffentlicht wurde.
Da die Zurschaustellungen immer wieder von den Behörden verboten wurden, reiste Merrick mit seinem Manager nach Belgien, von wo er im Dezember 1886 aus eigenem Antrieb zurückkehrte. Bei der Ankunft in London wurde er überfallen und seiner Ersparnisse von 50 Pfund (entspricht der Kaufkraft von etwa 6000 € im Jahr 2007) beraubt. Als einzige Rettung in dieser verzweifelten Lage verblieb ihm eine Visitenkarte von Dr. Treves, den er um Hilfe aufsuchte. Treves gewährte ihm Aufnahme im London Hospital. Merricks Aufenthalt wurde später durch den Joseph-Merrick-Fund finanziert, der mit Spenden von Lesern der London Times erbracht wurde.
Treves beschreibt Merrick als sehr intelligenten, wenn auch kindlich-naiven Menschen mit angenehmem Charakter. Seine Sprache war aber durch seine Missbildung derart beeinträchtigt, dass nur wenige Personen, die regelmäßigen Umgang mit ihm pflegten, ihn zu verstehen in der Lage waren.
Merrick starb überraschend am 11. April 1890. Vormittags war er bei guter körperlicher Verfassung, nachmittags fand man ihn tot auf seinem Bett. Es wird angenommen, dass er einen Schlaganfall oder einen leichten Herzinfarkt erlitt, der ihn zu Fall brachte. Der Tod trat dann durch Erstickung ein.
Joseph Merrick konnte aufgrund seiner Missbildungen nur im Hocken schlafen. Am Todestag ist Joseph Merrick allerdings in seinem Bett auf dem Rücken liegend aufgefunden worden, was er normalerweise immer vermieden hat. Durch seine Deformierungen bestand ansonsten die Gefahr, dass sein recht schwerer Kopf nach hinten in die Schlafunterlage einsinkt und dabei die Luftröhre überstrecken und abdrücken würde. Und genau dieses sei wohl ursächlich für den Tod gewesen – ob nun mit Absicht oder unabsichtlich herbeigeführt, kann man nicht beantworten.
Vereinzelt wurde die Vermutung geäußert, dass Merrick Jack the Ripper gewesen sei. Diese Vermutung entbehrt jedoch jeglicher Grundlage und ist gänzlich haltlos: Merrick litt unter starken Bewegungseinschränkungen durch seine Fehlbildungen, konnte in seiner rechten Hand keinen Gegenstand halten und hatte darüber hinaus keinerlei Erfahrung mit Operationen, die für Jack the Ripper typisch waren. Zudem wäre er durch seine Bewegungen und sein Aussehen zu sehr aufgefallen.
Merrick litt unter einer genetischen Störung, die nicht nur enorme Veränderungen der Haut erzeugte, sondern auch die Knochen auftrieb. Auf diese Art waren Kopf, Arme und Beine überdimensional vergrößert, lediglich die linke Hand war von der Krankheit nicht betroffen.
Zu Lebzeiten Merricks gingen die Ärzte davon aus, dass er an Elefantiasis litt. 1971 nahm Ashley Montagu an, dass es sich um die Erbkrankheit Neurofibromatose (Recklinghausen-Krankheit) gehandelt haben könnte. 1979 entdeckte Michael Cohen das seltene Proteus-Syndrom, das 1986 als Ursache für Merricks Deformationen identifiziert wurde. Anders als bei der Recklinghausen-Krankheit sind vom Proteus-Syndrom nicht Nervenzellen, sondern Gewebezellen betroffen. Eine DNS-Analyse von Merricks Knochen und Haaren bestätigte im Juli 2003, dass er tatsächlich am Proteus-Syndrom litt. Allerdings fanden sich zusätzlich auch Hinweise auf die Recklinghausen-Krankheit.
Die bisherigen Erkenntnisse über die Ursachen der Krankheit von Joseph Merrick v. a. hinsichtlich der These, dass es sich um das Proteus-Syndrom handele, werden von manchen Experten immer noch angezweifelt. Dr. Michael Simpson, Genetiker am Guy’s Hospital in London, führt derzeit (2013) Vorbereitungen für Untersuchungen des Genoms von Joseph Merrick durch und ist sich sicher, dass zumindest eine wesentliche Ursache für die körperlichen Deformierungen von einer einzigen, nicht ererbten Mutation herrührt. Derzeitiges Ziel seiner Vorbereitungen ist auf die Untersuchung des AKT1-Gens auf dem Chromosom Nr. 14 gerichtet. Dieses Gen reguliert bei gesunden Menschen das Wachstum und ist u. a. auch an der Apoptose, dem programmierten Zelltod, beteiligt. Funktioniert dieses Gen nicht oder nicht richtig, wird diese Funktion nicht mehr ausgeführt und es kommt zu den beobachteten Gewebewucherungen. Nach Ansicht von Michael Simpson sollte es technisch zwischenzeitlich möglich sein, den genetischen Beweis der These des Proteus-Syndroms führen zu können.
Problem war bisher, dass wertvolle Gewebeproben während des Zweiten Weltkrieges verlorengegangen sind und das Skelett seit dem Tod von Joseph Merrick 1890 schlicht viel zu oft und zu intensiv den unterschiedlichsten Reinigungsprozeduren unterzogen worden ist. Simpson vermutet, dass Joseph Merrick einer der seltenen Einzelfälle einer Krankheit ist. Von solchen Einzelfällen hat Simpson in den vergangenen drei Jahren 20 identifizieren können. Bei allen dieser 20 Fälle handelte es sich um jeweils eine einzige sogenannte Punktmutation, bei der lediglich ein einziger fehlerhafter Buchstabe im genetischen Code schuld an der jeweiligen Krankheit ist.
Am Beispiel von Merricks Leben wurde und wird in der Kunst häufig das Thema von gesellschaftlichem Außenseitertum und Toleranz aufgegriffen.
Gaston Leroux hat für seinen Roman Das Phantom der Oper Nachforschungen über Joseph Merrick angestellt.
Merricks Leben wurde zur Grundlage einiger Theaterstücke, wobei Bernard Pomerances Stück The Elefant Man von 1977 zum erfolgreichsten und bekanntesten wurde. Das Stück wurde 1979 auf dem Broadway uraufgeführt; Merrick wurde in dieser Inszenierung auch von David Bowie verkörpert. Das Stück wurde zu einem weltweiten Erfolg, Joseph Merrick wurde zu einer wichtigen Rolle für Schauspieler wie Billy Crudup, Bradley Cooper oder Maximilian Osterritter. Für das Theater Dortmund inszenierte Jörg Buttgereit 2013 Der Elefantenmensch mit Uwe Rohbeck in der Titelrolle.

Anna Kingsford

Anna Bonus Kingsford (geborene Annie Bonus) (* 16. September 1846 in Maryland Point, Stratford, Essex (heute zu London), England; † 22. Februar 1888 in London) war eine englische Ärztin, Frauenrechtlerin, Autorin und Theosophin.

Kingsford wurde am 16. September 1846 als jüngstes von 12 (9?) Kindern von John Bonus (1795–1865) und Elizabeth Ann Schroder (1805–1888) in Maryland Point geboren. Die Ortschaft gehörte damals zur Grafschaft Essex und ist heute Teil des Londoner Stadtbezirkes London Borough of Newham. Der Vater war Kaufmann und Schiffsmakler (ähnlich einem Reeder), die Familie wohlhabend.
Bereits 1859, im Alter von 13 Jahren, veröffentlichte sie ihr erstes Buch Beatrice, a Tale of the Early Christians, dem eine Reihe weiterer folgten. Am 31. Dezember 1867 heiratete sie ihren Cousin Algernon Godfrey Kingsford (1845–1913), einen Geistlichen der Anglikanischen Kirche. Vor der Ehe stellte sie diesem die Bedingung, auch weiterhin ihre eigenen Interessen verfolgen zu können, worauf ihr Mann einging und was sie später auch in die Tat umsetzte. Aus der Ehe ging eine Tochter, Eadith Bonus Kingsford (* 24. September 1868) hervor.
Ab 1868 engagierte sie sich verstärkt für den Tierschutz und sprach sich gegen Tierversuche (damals: Vivisektion) aus. Infolge dieser Überzeugung ernährte sie sich seit 1870 vegetarisch. Ebenso setzte sie sich ab 1868 für Frauenrechte ein, insbesondere für das Recht auf eigenen Besitz, das Wahlrecht und das Recht auf Bildung. Dazu forderte sie gleiche Schulbildung für Buben und Mädchen und die Ausbildung und Akzeptanz von Frauen als Ärztinnen. Zu diesen Themen verfasste sie mehrere Bücher.
1873 begann sie selbst in England Medizin und Philosophie zu studieren. Genau wie Lizzy Lind af Hageby nahm sie das Medizinstudium vor allem deshalb auf, um mehr über die Vivisektion zu erfahren und besser gegen sie argumentieren zu können. Da damals in England aber Frauen nur das Studium selbst, nicht jedoch eine Graduierung erlaubt war, wechselte sie 1874 nach Paris, wo sie das Studium fortsetzte und am 22. Juli 1880 mit dem Doktor der Medizin (M.D. Medical Doctor) abschloss. Damit war sie, nach Elizabeth Garrett Anderson, die zweite Frau in England mit einem akademischen Grad in Medizin. Ihre Dissertation über das Themengebiet des Vegetarismus erschien 1881 in Buchform unter dem Titel The perfect way in diet. Später führte sie ihre eigene Arztpraxis in London.
Im September 1882 trat sie der London Lodge und damit der Theosophischen Gesellschaft bei und wurde bereits am 7. Januar 1883 zur Präsidentin der London Lodge gewählt. Nach längeren Streitigkeiten mit Alfred Percy Sinnett über die Zielsetzung der London Lodge musste sie am 6. April 1884 die Präsidentschaft an Gerard B. Finch abgeben. Daraufhin gründete sie zusammen mit Edward Maitland (1824–1897) am 9. Mai 1884 die Hermetic Society, diese stand zwar der Theosophie nahe, war aber von der Theosophischen Gesellschaft unabhängig. Ihr Werk beeinflusste Samuel Liddell MacGregor Mathers, einen der Gründer des Hermetic Order of the Golden Dawn.
Von schwacher Gesundheit und zeit ihres Lebens von Asthmaanfällen heimgesucht, zog sie sich im November 1886 eine Lungenentzündung zu. Kuraufenthalte an der Riviera und in Italien brachten keine Besserung. Im Alter von 41 Jahren starb sie am 22. Februar 1888 in London an Tuberkulose.

Barbara Petzold

Barbara Petzold-Beyer (* 8. August 1955 in Hammerunterwiesenthal) ist eine ehemalige deutsche Skilangläuferin, die in den 1970er und 1980er Jahren für die DDR startete.
Die Tochter von Genossenschaftsbauern begann 1967 mit dem Training im Skilanglauf und startete von 1969 bis 1982 für den SC Traktor Oberwiesenthal unter Trainern wie Erich Linke, Heinz Nestler und Christine Nestler. Sie ist die erste deutsche Olympiasiegerin im Skilanglauf. Bei den Winterspielen 1980 gewann sie Gold über 10 km und mit der Staffel. Hinzu kommt Bronze bei den Winterspielen 1976 Bronze mit der Staffel. Bei Weltmeisterschaften gewann Petzold vier weitere Medaillen (3 x Silber, 1 x Bronze).
Während der 8. und 9. Wahlperiode gehörte sie von 1981 bis 1986 für die FDJ der Volkskammer der DDR an. Von 1977 bis 1981 war sie Mitglied der SED.
Petzold arbeitet seit April 1990 als Rechtsanwältin. Ihren Job als Kampfrichterin des Weltverbandes FIS legte sie 2005 nieder.
1980 erhielt sie den Vaterländischen Verdienstorden in Silber.
1952: Lydia Wideman | 1956: Ljubow Kosyrewa | 1960: Maria Gussakowa | 1964: Klawdija Bojarskich | 1968: Toini Gustafsson | 1972: Galina Kulakowa | 1976: Raissa Smetanina | 1980: Barbara Petzold | 1984: Marja-Liisa Hämäläinen | 1988: Vida Vencienė | 2002: Bente Skari | 2006: Kristina Šmigun | 2010: Charlotte Kalla | 2014: Justyna Kowalczyk
1956: Polkunen, Hietamies, Rantanen (FIN) | 1960: Johansson, Strandberg, Edström (SWE) | 1964: Koltschina, Mekschilo, Bojarskich (URS) | 1968: Aufles, Enger-Damon, Mørdre (NOR) | 1972: Muchatschewa, Oljunina, Kulakowa (URS) | 1976: Baldytschewa, Amossowa, Smetanina, Kulakowa (URS) | 1980: Rostock, Anding, Schmidt, Petzold (GDR) | 1984: Nybråten, Jahren, Pettersen, Aunli (NOR) | 1988: Nageikina, Gawriljuk, Tichonowa, Reszowa (URS) | 1992: Välbe, Smetanina, Lasutina, Jegorowa (EUN) | 1994: Välbe, Lasutina, Gawriljuk, Jegorowa (RUS) | 1998: Gawriljuk, Danilowa, Välbe, Lasutina (RUS) | 2002: Sachenbacher, Bauer, Henkel, Künzel (GER) | 2006: Baranowa, Kurkina, Tschepalowa, Medwedewa (RUS) | 2010: Skofterud, Johaug, Steira, Bjørgen (NOR) | 2014: Ingemarsdotter, Wikén, Haag, Kalla (SWE)
1952: Lydia Wideman | 1954: Ljubow Kosyrewa | 1956: Ljubow Kosyrewa | 1958: Alewtina Koltschina | 1960: Maria Gussakowa | 1962: Alewtina Koltschina | 1964: Klawdija Bojarskich | 1966: Klawdija Bojarskich | 1968: Toini Gustafsson | 1970: Alewtina Oljunina | 1972: Galina Kulakowa | 1974: Galina Kulakowa | 1976: Raissa Smetanina | 1978: Sinaida Amossowa | 1980: Barbara Petzold | 1982: Berit Aunli | 1985: Anette Bøe | 1987: Anne Jahren | 1989: Jelena Välbe | 1991: Jelena Välbe | 1993: Stefania Belmondo | 1995: Larissa Lasutina | 1997: Stefania Belmondo und Jelena Välbe | 1999: Stefania Belmondo | 2001: Bente Skari | 2003: Bente Skari | 2005: Kateřina Neumannová | 2007: Kateřina Neumannová | 2009: Aino-Kaisa Saarinen | 2011: Marit Bjørgen | 2013: Therese Johaug | 2015: Charlotte Kalla
1954: Kosyrewa, Maslennikowa, Zarewa | 1956: Polkunen, Hietamies, Rantanen | 1958: Jeroschina, Koltschina, Kosyrewa | 1960: Johansson, Strandberg, Edström | 1962: Kosyrewa, Gussakowa, Koltschina | 1964: Koltschina, Mekschilo, Bojarskich | 1966: Bojarskich, Atschkina, Koltschina | 1968: Aufles, Enger-Damon, Mørdre | 1970: Baldytschewa, Kulakowa, Oljunina | 1972: Muchatschewa, Oljunina, Kulakowa | 1974: Baldytschewa, Seljunina, Smetanina, Kulakowa | 1976: Baldytschewa, Amossowa, Smetanina, Kulakowa | 1978: Impiö, Hämäläinen, Riihivuori, Takalo | 1980: Rostock, Anding, Schmidt, Petzold | 1982: Bøe, Nybråten, Aunli, Pettersen | 1985: Tichonowa, Smetanina, Wassiltschenko, Reszowa | 1987: Ordina, Gawriljuk, Lasutina, Reszowa | 1989: Määttä, Kirvesniemi, Savolainen, Matikainen | 1991: Jegorowa, Smetanina, Tichonowa, Välbe | 1993: Välbe, Lasutina, Gawriljuk, Jegorowa | 1995: Danilowa, Lasutina, Välbe, Gawriljuk | 1997: Danilowa, Lasutina, Gawriljuk, Välbe | 1999: Danilowa, Lasutina, Reszowa, Gawriljuk | 2001: Danilowa, Lasutina, Tschepalowa, Gawriljuk | 2003: Henkel, Bauer, Künzel, Sachenbacher | 2005: Skofterud, Pedersen, Steira, Bjørgen | 2007: Kuitunen, Saarinen, Roponen, Muranen | 2009: Muranen, Kuitunen, Roponen, Saarinen | 2011: Skofterud, Johaug, Steira, Bjørgen | 2013: Weng, Johaug, Steira, Bjørgen | 2015: Weng, Johaug, Jacobsen, Bjørgen

Schwende AI

Streusiedlungen Schwende und Rüte
Schwende ist eine politische Gemeinde (offiziell als Bezirk bezeichnet) im Kanton Appenzell Innerrhoden in der Ostschweiz. Der Sitz der Bezirksverwaltung ist in Weissbad.

Im 12. Jahrhundert wurde der Name Swendi oder swandjan erwähnt. Es stammt vom altdeutschen Ausdruck Schwinden machen (Waldrodung).
Der Bezirk Schwende ist der grösste Bezirk im Kanton. Er umfasst die Ortschaften Schwende und Wasserauen, Teile von Weissbad (südlich des Brüelbachs) und Appenzell (südwestlich der Sitter) sowie der Innerrhoder Teil des Säntisgebirges und des Alpsteins.
Das voralpine bis alpine Gelände zwischen 800 und 1100 Meter ist mit ganzjährig bewohnten landwirtschaftlichen Streusiedlungen überzogen, die höchstgelegenen Weideflächen erreichen Höhen (beim oberen Mesmer) bis 2200 Meter. Das Bezirksgebiet erstreckt sich vom Säntisgebirge nach Schwende, Weissbad, dem linken Sitterufer entlang bis ins Dorf Appenzell, von da am rechten Ufer des Chlosbaches entlang über das Hochmoor, Wasserschaffen und Scheidegg, Kronberg bis zur Säntisspitze. Es beinhaltet den grössten Teil des Alpsteins (689 ha) und ebenso der Waldfläche (1670 ha) des Kantons.
Die in den Höhlen des Wildkirchli gefundenen Steinwerkzeuge aus Ölquarzit und Radiolarit weisen auf sommerliche Jagdausflüge der Neandertaler in höhere Lagen hin.
Die Rhode Schwendi war zwischen 1204 und 1220 zur Sicherung von Militär- und Steuerleistungen an die Fürstabtei St. Gallen entstanden. Der anfängliche Rhodsmeister wurde später durch an jährlichen Rhodsversammlungen gewählte Hauptleute und Räte ersetzt, welche die Rhoden in den Behörden des Alten Landes Appenzell und ab 1597 in denjenigen von Innerrhoden zu vertreten hatten.
Im Ort Schwende waren bis 1830 neben der Pfarrkirche noch Ruinen eines Turmes vorhanden, der vermutlich Sitz der Herren von Doppelstein, als Ministeriale des Abts von St. Gallen war. Die Schwendner sollen den Turm zerstört und damit die Appenzellerkriege ausgelöst haben.
Der heutige Bezirk entstand mit der an der ausserordentlichen Landsgemeinde vom 24. November 1872 durch das Innerrhoder Stimmvolk gutgeheissenen Verfassung von 1872 aus der Rhode Schwendi, wobei die alten Grenzen beibehalten wurden.
Haupterwerb war lange Zeit die Viehzucht. Bis weit ins 20. Jahrhundert war die Handstickerei ein Nebenerwerb der Bäuerinnen. Weissbad (Rietli) mit seinem seit 1740 existierenden Badetourismus wurde im 19. und frühen 20. Jahrhundert zum gehobenen Kurort.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Tourismus mit Berggasthäusern, die zu den ältesten der Schweiz gehören (Gasthaus Aescher-Wildkirchli 1846, Berggasthaus Alter Säntis 1846) und einigen Gewerbeunternehmen. Dieser wurde durch die 1867-69 angelegte Strasse von Appenzell nach Wasserauen, die 1912 eröffnete Säntisbahn und seit 1955 durch die Luftseilbahn Wasserauen-Ebenalp begünstigt.
In letzter Zeit haben im Bereich Industrie, Gewerbe und Tourismus viele kleine Betriebe ein Geschäft eröffnet oder sich im Bezirk niedergelassen. Im Tourismus-, Wellnes- und Gesundheitsbereich ist das Hotel Hof Weissbad seit über 16 Jahren erfolgreich und mit etwa 185 Mitarbeiter grösster Arbeitgeber des Bezirks. Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor mit (noch) 52 landwirtschaftlichen Betrieben.
Bei Schwende befindet sich die 1937 erbaute Wallfahrtskapelle Unsere Liebe Frau im Ahorn mit einem Gnadenbild aus dem 17. Jahrhundert.
Unterhalb der Ebenalp befinden sich die prähistorischen Höhlen des Wildkirchlis.
Appenzell | Gonten | Oberegg | Rüte | Schlatt-Haslen | Schwende
Ehemalige Rhoden oder Halbrhoden: Hirschberg | Rinkenbach | Stechlenegg
Kanton Appenzell Innerrhoden | Bezirke der Schweiz | Bezirke des Kantons Appenzell Innerrhoden

Rudolf Viest

Rudolf Michal Viest (* 24. September 1890 in Nagyrőce, Österreich-Ungarn, heute Slowakei; † 1945 im KZ Flossenbürg, Großdeutsches Reich) war ein tschechoslowakischer und slowakischer General. Er war während der gesamten Zeitdauer der Ersten Tschechoslowakischen Republik (1918–1938) der einzige Slowake innerhalb der tschechoslowakischen Armee, dem es ermöglicht wurde, den Generalsrang zu erhalten.
Während des Slowakischen Nationalaufstands übernahm Viest ab 7. Oktober 1944 den Oberbefehl über die slowakische Aufstandsarmee, nachdem der bisherige Oberbefehlshaber Ján Golian zu Viests Gunsten zurückgetreten war.

Rudolf Viest wurde am 24. September 1890 als viertes von insgesamt fünf Kindern des Handwerkes Gustáv Viest und dessen Frau Jana Viestová (geborene Grnáčová) geboren, die aus einer Schneiderfamilie stammte. Seine älteren Geschwister waren Ivan (* 1882), Oľga (* 1884) und Anna (* 1886), sein jüngerer Bruder hieß Dušan (* 1892). Der junge Rudolf besuchte zuerst die örtliche Evangelische Volksschule und ab 1910 die vierjährige Mittelschule in Revúca.
1920 bis 1939 diente er als Offizier in verschiedenen Positionen und Funktionen. 1933 wurde er zum Brigadegeneral befördert, 1938 zum Divisionsgeneral.
1939 gehörte er zu einer Gruppe antifaschistischer Offiziere in der Slowakischen Armee, welche die Aufspaltung der Tschechoslowakei in das Protektorat Böhmen und Mähren und die Slowakei ablehnte. Er hielt Kontakt mit der Tschechoslowakischen Exil-Regierung in London. Am 29. August 1939 emigrierte er über Ungarn nach Frankreich, wo er Mitglied des Tschechoslowakischen National-Komitees in Paris und Oberbefehlshaber der Tschechoslowakischen Armee im Exil wurde. Seit dem 1. Januar 1940 war er Befehlshaber der 1. Tschechoslowakischen Division in Frankreich. Nach der Besetzung Frankreichs im Juni 1940 begab er sich nach England und wurde Minister in der Tschechoslowakischen Exilregierung. Viest war ein Bewunderer von Edvard Beneš.
Im August 1944 flog Viest mit einer tschechoslowakischen Regierungs-Delegation in die Sowjetunion. Von Moskau aus erreichte er am 6. Oktober 1944 Banská Bystrica und übernahm von Ján Golian, mit dem er als seinem Adjutanten weiter vertrauensvoll zusammenarbeitete, am nächsten Tag für die letzten Wochen den Oberbefehl der aufständischen Einheiten. Er war auch Präsident des Rates für die Verteidigung der Slowakei. Jedoch hatte sich die militärische Lage der Rebellen-Armee bereits zu verschlechtern begonnen.
In der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober 1944, angesichts der endgültigen Niederlage, forderte Viest in Donovaly die verbliebenen versprengten Truppenreste auf: „Boj za slobodu Česko-Slovenska sa nekončí, bude pokračovať v horách“ – frei übersetzt: „Der Kampf für die Freiheit der Tschechoslowakei ist nicht zu Ende, er wird in den Bergen fortgesetzt.“
Viest und Golian wurden vom deutschen Sondereinsatzkommando 14 am 3. November in Pohronský Bukovec im Okres Banská Bystrica gefangen genommen. Über Berlin ins KZ Flossenbürg in der Oberpfalz verbracht, wurden beide nach Folterungen 1945 hingerichtet.